Stadt-Eisfeld.de: Thüringer Porzellan

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Thüringer Porzellan

       

Porzellan aus dem Thüringer Wald

Nach der Erfindung des europäischen Hartporzellans durch Ehrenfried Walter von Tschirnhaus und Friedrich Böttger 1708 in Meißen verbreitete sich die Kenntnis des "Arcanums" trotz strengster Geheimhaltung allmählich weiter und gelangte um 1760 auch nach Thüringen. Hier waren etwa gleichzeitig Georg Heinrich Machleid in Volkstedt, Johann Wolfgang Hammann in Katzhütte und Johann Gotthelf Greiner in Limbach dem Geheimnis der Porzellanherstellung völlig unabhängig von Meissen auf die Spur gekommen. In den thüringischen Kleinstaaten entwickelte sich eine eigenständige Porzellanfabrikation, begünstigt durch das Vorkommen von Rohstoffen (Kaolin, Quarzsand, Fud Spat), von Holz und Wasserkraft sowie von geeigneten technischen Anlagen (Glashütten, Bergbau) und gut ausgebildeten billigen Arbeitskräften.

Fotos: Museum Eisfeld, Thüringer Porzellanstrasse.

Gegenüber der Konkurrenz fürstlicher Manufakturen konnten sich die thüringischen Erzeugnisse für den bürgerlichen Haushalt orientieren. Dazu gehörten Tafelgeschirr und Gefäßformen aller Art, "Türkenköppchen" und Pfeifenköpfe, aber auch Gebrauchsgegenstände wie Tabakdosen, Nadelbüchsen und Stockknäufe sowie Kleinfiguren, Medaillons und plastischer Zierrat. Den Stilwandlungen vom späten Rokoko zum Klassizismus und zum Biedermeier folgend, waren die Altthüringer Porzellane in Form und Dekor relativ schlicht, aber phantasievoll und lebensnah gestaltet, beeinflusst von der thüringischen Volkskunst.
Mit dem Trend zur Massenproduktion von Billigwaren, der als Folge von wirtschaftlichen Krisenerscheinungen in der thüringischen Porzellanindustrie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkt einsetzte, machte sich eine künstlerische Verflachung und Stilverwilderung der Erzeugnisse bemerkbar.
Seit etwa 1860 begann eine neue Gründungswelle von Porzellanfabriken im thüringisch fränkischen Raum, ausgelöst durch den Rückgang der Eisenhütten und durch einen wachsenden Bedarf an Porzellanen aller Branchen, ein Prozess, der mit der Erschließung neuer Kaolingenlagerstätten in Sachsen und Böhmen, mit dem Einsatz sächsischer Steinkohle, dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Gewinnung zahlreicher billiger Arbeitskräfte in den Waldgebieten Hand an Hand ging. Die verkehrsungünstig gelegenen und technisch veralteten Betriebe des Thüringer Waldes mussten sich, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, darauf einstellen, qualitätvolle und weltmarktfähige Erzeugnisse auf den Markt zu bringen. Die Gründung von Zeichen- und Modellierschulen (Lichte, Sonneberg u.a.), in denen qualifizierter Nachwuchs für die Porzellanindustrie herangebildet wurde, erwies sich als zukunftsträchtige Investition.




Fotos: Museum Eisfeld, B.Grossmann


Um die Jahrhundertwende blühte im Lichte-Tal und in Lauscha die Plattenmalerei auf, Firmen wie Heubach- Kunst, Lichte, die Kunstabteilung Wallendorf der Frauenreuth A.G., später Schaubach- Kunst, wie die Schwarzburger Werkstätten u.a. traten mit beachtlichen kunsthandlichen Leistungen in Erscheinung. Die thüringische Porzellankunst der Nachkriegszeit und der Gegenwart knüpfte an bewährte Tradition an und wurde um modernes Formengut bereichert.