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Luther 2017

 

21. Mai 2017 bis 10.September 2017

"Luther allerorten - aber wo bleibt Justus Jonas?"

 

Luther 2017

Deutschland feiert 500 Jahre Reformation und das ist wichtig. Thüringen feiert mit, liegen doch einige Lutherstätten im Freistaat und eine der „3 Hammer- Ausstellungen“ zeigt in Eisenach  "Luther und die Deutschen".  Unter dem Motto: "Luther 2017" kann man sich im ganzen „Lutherland Thüringen“ auf Spurensuche begeben. Alleine der Lutherweg durch Thüringen zählt stolze 1.010 Kilometer. Kaum ein Ort in dem Luther wohl nicht gewesen ist.

 

Daher beginnt die Ausstellung im Eisfelder Museum mit den Worten „ Luther allerorten“.

Aber Reformation ist wie jede Erneuerung oder „Revolution“ auch an Menschen gebunden und Luther hatte viele Helfer, Mitstreiter, Unterstützer, Gönner und Freunde, die ihn dabei nicht nur begleitet haben, sondern für die Verbreitung und Umsetzung der Reformationsbewegung mit Sorge trugen.  Eine dieser fast vergessenen Personen an Luthers Seite war der Reformator Justus Jonas.


Er  wurde am 5. Juni 1493 als Jobst Koch  in Nordhausen geboren. Sein Vater Jonas Koch, der um 1503 starb, wirkte 1471 als Bürgermeister in Nordhausen und  danach sind noch mehrere Jahre als Ratsmeister bezeugt. Die Familie gehörte zu den einflussreichen in der Stadt, man besaß ein ansehnliches Wohnhaus am damaligen Holzmarkt (heute Lutherplatz). Getauft wurde der Junge in der Nicolaikirche. Schon frühzeitig erkannte man die reiche Begabung des Knaben, so dass er bereits mit 13 Jahren die damals berühmte Universität Erfurt bezog. Jonas studierte in Erfurt zuerst Jurisprudenz und später Theologie.

 

Er kam 1521 als Professor und Probst an der Schlosskirche nach Wittenberg.  Großen Anteil hatte er  an der Entstehung von Luthers Bibelübersetzung, bei der er einer der rührigsten Mithelfer, Berater und Gesprächspartner war. Seine Übersetzungen machten die Schriften einem breiten Publikum zugänglich und trugen somit zu einer weiten Verbreitung des reformatorischen Gedankengutes bei.  1523 hatte Luther den Wunsch nach deutschen Gemeindegesängen geäußert und wurde selbst mit dem 130. Psalm zum Erfinder des Psalmliedes. Damit wollte er Thomas Münzer entgegentreten, der mit seiner Übersetzung altkirchliche Hymnen für den Gottesdienst nach gregorianischen Melodien arrangierte. Luthers Wunsch kam auch Jonas nach und bearbeitete 1524 den 124. Psalm „Wo Gott, der her nicht bei uns hält“, den er mit anderen Bibelstellen, vorrangig dem 12. Psalm verknüpfte. Das Lied fand mit fünf von acht Strophen Eingang in das evangelische Kirchengesangbuch und gehört zum Kernbestand des evangelischen Kirchenliedes. Es liegt Bachs Choralkantate "Wo Gott der Herr nicht bei uns hält" - BWV 178 (1724) zugrunde.

 

Justus Jonas wurde 1523 Dekan der theologischen Fakultät und behielt den Vorsitz bis 1533. Im Sommersemester 1530, im Wintersemester 1530 und im Wintersemester 1536 amtierte er jeweils auch als Rektor der Universität Wittenberg. Das Luther ihn immer wieder in seinen Tischreden erwähnt hat, zeugt von der persönlichen Verbundenheit; er sagte einmal: "er scherze und schwatze allzu gerne mit ihm".

 

Noch bedeutender war vor allem seine Organisation des evangelischen Kirchenwesens, dadurch hat bleibende Bedeutung bis heute. Im April 1541 folgte er dem Ruf Johann Friedrichs I. von Sachsen als Prediger und Schulmeister nach Halle. Jonas verfasste hier nach dem Vorbild der Wittenberger Kirchenordnung 1543 die Hallesche Kirchenordnung. Er nahm auch eine Neuordnung des Schulwesens vor. Durch die am 11. Dezember 1544 ausgestellte Berufungsurkunde wurde er Pfarrer an der Kirche St. Marien und Stadtsuperintendent. Seine Supintendentur erstreckte sich über die Stadt Halle bis in den heutigen Saalkreis und das Bistum Merseburg. 1546 besuchte Jonas Luther in Halle und schenkte ihm ein Kelchglas mit dem Vers: "Jonas, dem Glas, giebt Luther ein Glas, der selber ein Glas ist, Dass sie beid' es wissen, sie sei'n zerbrechlichem Glas gleich."  1547 flüchtete Jonas in den Wirren des Schmalkaldischen Krieges aus Halle. Er war am Totenbett Luthers und nahm ihm die Sterbesakramente ab.

 

Im August 1553 folgte er erneut dem Ruf seines einstigen Kurfürsten Johann Friedrich I. und trat seinen Dienst als Pfarrer in Eisfeld und als Superintendent über die gesamte Coburger Kirche an. Justus Jonas kam als gezeichneter und kranker Mann nach Eisfeld. Im Wesentlichen waren die Bestrebungen der Reformation bereits umgesetzt. Wenige Tage nach dem Augsburger Reichs- und Religionsfrieden starb Jonas in Gegenwart seiner Frau am 9. Oktober 1555 in Eisfeld. Er wurde auf dem Gottesacker

 

Aber in Eisfeld und den fränkischen Ortslanden wirkten noch weitere Reformatoren wie Nikolaus Kindt, Arsacius Seehofer oder Georg Rhau.  Die Musikdrucke Georg Rhau`s sind das bedeutendste Zeugnis für die musikalischen Anschauungen und Absichten des Kreises um Martin Luther.

 

Nun ist es doch verwunderlich, welche Orte sich in den thüringischen Landen heute mit Luther und der Reformation schmücken, um etwas von dem dicken Kuchen des Tourismus, der erwartet wird, abzubekommen. Da sind Orte, da war Luther nie in seinem Leben gewesen und doch ist überall ein Weg unter seinem Namen entstanden.

 

Andererseits sucht man Orte mit Luthertradition vergebens. So auch Eisfeld. Warum?
Ein Erklärungsversuch: Zu Zeiten Martin Luthers zählte Eisfeld zu den fränkischen Ortslanden und liegt hinter dem Thüringer Wald. Deswegen kann man Eisfeld auch nicht finden?

 

Die  Ausstellung, die das  Museum im Schloss Eisfeld vom 21. Mai bis zum 10. September 2017 präsentiert,  zeigt wenig zur Person Martin Luthers, sondern erinnert an die anderen Personen der Reformation, die mit der Eisfelder Geschichte und den fränkischen Gebieten untrennbar verbunden sind.  Sie zeigt aber auch die Schamlosigkeit der Tourismusbranche, die Luther zu einer Ware gemacht haben. Einige Lutherandenken sind als "Souvenirs des Glaubens" aus dem fast endlosen  Spektrum der Lutherandenken ebenfalls zu sehen. Daneben illustrieren Heiligenfiguren und Weihwasserbecken des 19. Jahrhunderts  aus dem Fundus des Museums die Frömmigkeit jener Zeit. Es ist eine Ausstellung über die Männer, die das Mittelalter beendeten und mit dem heute unter dem Mantel der Reformation viel Geld verdient wird. In Eisfeld steht eine Kirche, die Dreifaltigkeitskirche (1488 -1535), die genau in jenen Jahren der Reformation gebaut wurde. Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsausstellung der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde und des Museums. Zum ersten Mal  öffnete die Eisfelder Kirche die ehrwürdigen Türen Ihrer Sakristei und gewährt mit Leihgaben dem Besucher Einblick in die wenigen Bestände lutherischer Zeit.

 

Wo bleibt Justus Jonas und wo bleiben die Eisfelder Reformatoren?

 

Wir haben uns aufgemacht, Sie für Sie wieder zu entdecken!

 

Es gab viele Orte, in denen die Reformation gelebt wurde. Eisfeld war einer von ihnen, auch wenn fast alle Dokumente aus jener Zeit ein Opfer der Flammen bei den vielen Stadtbränden wurden, finden sich heute noch die stummen Zeugen hier: die Dreifaltigkeitskirche und die Gottesackerkirche. Diese stummen Zeitzeugen kann man zwar ignorieren, aber sie bestehen weiter, ob nun im unbekannten Süden hinter dem Thüringer Wald oder in den fränkischen Ortslanden, wo Eisfeld schon immer zu Hause ist.

 

Die Lutherausstellungen in Deutschland zeigen ein vielschichtiges Luther-Bild.  Es wird nicht nur Luther in diesem  Jahr geben, und auch nicht nur die Lichtgestalt, die sich gut vermarkten lässt. Aber nach den anderen Reformatoren wird man ein bisschen suchen müssen.


Man wird sie finden können, wie hier in Eisfeld.   Luther 2017   

 

Heiko Haine

 

Eisfelder Dreifaltigkeitskirche Innen. Federzeichnung Hanns Glaser

 

Weitere Informationen zu den zahlreichen Vernastaltungen zu Luther 2017 finden Sie unter den folgenden Links:

 

https://www.luther2017.de/de/

 

https://www.ekd.de/themen/luther2017.html

 

http://www.lutherland-thueringen.de/de/index.html

 

 

Alle Ausstellungstexte und großformatige Bilder werden in der Region gedruckt:

https://www.salierdruck.de/blog/pvc-poster-im-grossformatdruck/