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Thüringer Porzellan

 

Potpourrivase Limbach um 1820

 

 

 

Schnitterin - Der Sommer. Limbach um 1775

 

 

 

 

Ansichtentasse mit Gotthelf Greiner. Limbach um 1790

 

 

 

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Entengruppe Lichte um 1910

 

 

 

 

Parfümzersteuber Lichte um 1910

 

 

  

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In Thüringen ist das „weiße Gold“ zu Hause

 

Kein anderes Material hat die Tischkultur Europas so nachhaltig geprägt und verändert, wie das weiße Gold. Porzellan ist heute ein industrielles Massengut und sein täglicher Gebrauch ebenso selbstverständlich wie das Prädikat spülmaschinenfest. Noch vor 300 Jahren war der Besitz von „porcella“ eine Sensation und Könige, selbst Landesfürsten, haben Unsummen an Geld ausgegeben, um es zu besitzen. Kurze Zeit später, nach der  Erfindung des ersten europäischen Porzellans in Dresden, gehörte es, mit Blick auf die möglichen Einkünfte und finanziellen Vorteile, zum Attribut des Glanzes und der Würde eines Landesfürsten, eine eigene Porzellanmanufaktur zu besitzen. Das neue Material begeisterte die Menschen und vor allem jene, die es sich leisten konnten. Heute ist es zu einem festen Bestandteil des Tisches geworden. Seine hervorragenden Eigenschaften wie Härte, Hitzebeständigkeit oder chemische Neutralität sind Garanten für die Zukunft des Porzellans nicht nur in Thüringen und seit 1760 hat das Thüringer Porzellan mehr als einmal bewiesen, dass es einen Vergleich mit den renommierten Porzellanmanu-fakturen nicht zu scheuen braucht. Die Thüringer Porzellanfabriken gehen bis auf die Gründung von Kloster Veilsdorf auf den Unternehmergeist bürgerlicher Gewerbetreibender zurück und mussten wirtschaftlich arbeiten, ohne die Zuschüsse fürstlicher Kassen. Die ehemaligen Porzellanfabriken Kloster Veilsdorf, Limbach und Rauenstein bildeten in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts das Kernland des Thüringer Porzellans. In allen großen Museen der Welt sind die Erzeugnisse dieser Manufakturen heute ausgestellt und im Kernland selbst, zeigen das Eisfelder Museum und das Rauensteiner Porzellankabinett eindrucksvolle Zeugnisse dieser einst bedeutenden Manufakturen. Man produzierte weniger für die fürstlichen Tafeln, sondern mehr für das Bürgertum.

 

Der ehemalige Leiter der Fürstenberger Porzellamanufaktur Josef Weber schrieb 1797: „Die Thüringer oder so genannten Waldfabriken, welche auf anderen Fabriken für so schlecht geachtet werden, und von denen man glaubt, dass sie ihr Porzellan unter dem Fabrikationspreise verkaufen, sind so vorteilhaft eingerichtet, dass die anderen Fabriken, statt sie mit Verachtung zu betrachten, sich vielmehr ihre Ein- richtungen zum Muster wählen sollten: denn sie verkaufen ihre Fabrikaten nichts weniger, als unter gehörigem Preise. Es ist vielmehr ihre vorteilhafte Einrichtung, welche sie berechtigt, ihr Porzellan zu so niedrigen Preisen verkaufen zu können, welches wohl die eitle Hoffnung der anderen Fabriken niederschlagen wird, vermöge welcher sie immer noch erwarten, dass diese niedrigen Preise bald nachlassen müssen. Der Ursprung dieser Fabriken kann nicht von dem Wiener Stamm hergekommen sein, weil ihre Haupteinrichtungen gänzlich den- jenigen der vorhin besagten abweichen. Sie scheint daher eine besonders neue Erfindung zu sein, welche ganz den jetzigen ökonomischen Fabrikationsgeist verrät: daher die Aufmerksamkeit auf die Nähe der notwendigen Materialien zum Por- zellanberuf, daher die weniger verwickelte Mischung der Erdarten, daher vor allen der so sinnreich ausgedachte Ofen, welcher durchgehends eine gleiche Feuerhitze gewährt, und die Feuermasse in voller Genügsamkeit beim Ofen gestattet. Ich kann zwar den ersten Erfinder dieser Fabrikation nicht sicher angeben, doch muss ich anzeigen, dass auf diesigen Porzellanfabriken die Greinersche Familie angegeben wird, worin diese spätere Erfindung voll zum Wortschein gekommen sei. So viel kann ich versichern, dass ich mit einem gewissen Herrn Greiner zu Ilmenau bin in Bekanntschaft geraten, welcher wirklich zwei Porzellanfabriken und eine Glashütte im Besitz hatte, und dafür bekannt war, dass er schon eine geraume Zeit sich mit Porzellanfabriken abgebe.“(Weber, 1797)

 

In den thü­ringischen Kleinstaaten entwickelte sich eine eigenständige Porzellanfabrikation, begün­stigt durch das Vorkommen von Rohstoffen (Kaolin, Quarzsand, Feldspat), von Holz und Wasser­kraft sowie von geeigneten technischen Anlagen (Glashütten, Bergbau) und gut ausge­bildeten billigen Arbeitskräften.

Gegenüber der Konkurrenz fürstlicher Manufakturen konnten sich die thüringischen Unter­nehmungen behaupten, indem sie sich auf die Herstellung relativ preiswerter Er- zeugnisse für den bürgerlichen Haushalt orientierten. Dazu gehörten Tafelgeschirr und Gefäßformen aller Art, „Türkenkoppchen“ und  Pfeifenköpfe, aber auch Gebrauchsgegenstände wie Tabakdosen, Nadelbüchsen und Stockknäufe sowie Kleinfiguren, Medaillons und plastischer Zierrat. Den Stilwandlungen vom späten Rokoko zum Klassizismus und zum Biedermeier folgend, waren die Altthüringer Porzellane in Form und Dekor relativ schlicht, aber phantasievoll und le­bensnah gestaltet, beeinflusst von der thüringischen Volkskunst.

Mit dem Trend zur Massenproduktion von Billigwaren, der als Folge von wirtschaftlichen Krisenerscheinungen in der thüringischen Porzellanindustrie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ver­stärkt einsetzte, machte sich eine künstlerische Verflachung und Stilverwilderung der Erzeug­nisse bemerkbar.

Seit etwa 1860 begann eine neue Gründungswelle von Porzellanfabriken im thüringisch-fränkischen Raum, ausgelöst durch den Rückgang der Eisenhütten und durch einen wachsen­den Bedarf an Porzellanen aller Branchen, ein Prozess, der mit der Erschließung neuer Kao­linlagerstätten in Sachsen und Böhmen, mit dem Einsatz sächsischer Steinkohle, dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Gewinnung zahlreicher billiger Arbeitskräfte in den Waldge­bieten Hand an Hand ging. Die verkehrsungünstig gelegenen und technisch veralteten Be­triebe des Thüringer Waldes mussten sich, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, darauf einstellen, qualitätvolle und weltmarktfähige Erzeugnisse auf den Markt zu bringen. Die Gründung von Zeichen- und Modellierschulen (z.B. Lichte und Sonneberg), in denen qualifizier­ter Nachwuchs für die Porzellanindustrie herangebildet wurde, erwies sich als zu­kunftsträch­tige Investition.

Zählte man 1895 im Deutschen Reich 1536 Porzellanbetriebe, so lagen davon 878 in Thürin­gen. Von 34.644 Beschäftigten arbeiteten 15.762 in diesem Produktionsbereich. Thüringen war als kleines Land neben Oberfranken und Schlesien der Hauptsitz und das wichtigste Zent­rum der deutschen Porzellanindustrie. 1907 waren rund 61% ihrer Betriebe und 44% der Be­schäftigten in Thüringen beheimatet.

 

Um 1900 blühte im Lichte-Tal und in Lauscha die Plattenmalerei auf, Fir­men wie Heubach-Kunst, Lichte, die Kunstabteilung Wallendorf der Fraureuth AG, später Schaubach-Kunst, wie die Schwarzburger Werkstätten unter anderem traten mit beachtlichen kunst­handwerklichen Leis­tungen in Erscheinung. Die thüringische Porzellankunst der Nachkriegs­zeit und der Gegen­wart knüpft an bewährte Traditionen an und wurde um modernes Formgut be­reichert.

Heute gibt es in Thüringen noch rund 20 Porzellanbetriebe und viele Museen, die eindrucks­voll die Geschichte dieses Thüringer Produktionszweiges zeigen.

 

Hinter der bescheidenen Fassade des Eisfelder Schlosses verbirgt sich seit Jahrzehnten eine der eindrucksvollsten Sammlungen an Thüringer Porzellan mit Dokumenten zu seiner Geschichte. Wenn dieser auch die Glanzlichter der Porzellankunst des 18. Jahrhunderts fehlen, wie man sie in großen Sammlungen zwischen Eisenach und Weimar bewundern kann, so vermag sie doch die ganze Breite und Vielfalt dessen zu präsentieren, was Thüringen seit der Entstehung seiner Porzellanindustrie an weißem Gold hervorgebracht hat.

Die Eisfelder Porzellansammlung enthält Porzellane aus den Manufakturen Blankenhain, Burgau-Göschwitz, Colditz, Deesbach, Eisenberg,  Geiersthal, Gera, Geschwenda, Gotha, Großbreitenbach, Hüttensteinach,  Ilmenau, Kahla, Katzhütte, Kloster Veilsdorf, Königsee, Könitz, Köppelsdorf, Langewiesen, Lichte, Limbach, Lippelsdorf , Mäbendorf, Martinroda, Mengersgereuth, Neuhaus, Ohrdruf, Piesau, Plaue, Pößneck, Probstzella, Rauenstein, Reichenbach, Reichmannsdorf, Roschütz, Rudol- stadt, Schaala, Scheibe-Alsbach, Schwarza, Sitzendorf, Stadtilm, Stadtlengsfeld, Suhl, Tettau,  Triptis, Uhlstädt, Unterweißbach, Volkstedt und Wallendorf.

 

Wegen umfangreicher Baumaßnahmen und musealer Neugestaltung ist die Porzellanausstellung bis 2018 geschlossen.

 

Mehr Information zu Produktionsstandorten und Museen mit Ausstellungen zum Thüringer Porzellan finden Sie unter:

http://www.thueringerporzellanstrasse.de/